Hochzeit_25.07.`09003

 

ANDACHT 

„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Als Jahreslosung klingt das gut, denn ist nicht Frieden, was wir alle brauchen in dieser Welt, die so sehr von Kriegen aller Art geprägt ist? Merkwürdigerweise stammt diese Aufforderung aus dem Psalm 34, der, so die Bibel, von König David geschrieben wurde. Ein König, der sein Reich mit dem Schwert gründete, indem er alle seine Feinde und Nachbarn, einen nach dem anderen, besiegte. Frieden, im menschlichen Sinne, kannte David kaum. Und die von ihm Besiegten auch nicht. Sie warteten nur darauf, es ihm heimzuzahlen. Welche Art Frieden meint David also? Denn offenbar kann es der Frieden, der „nur“ die Abwesenheit von Streit und Krieg bedeutet, so gut und erstrebenswert das auch ist, nicht sein. Das würde bedeuten, dass Gott völlig versagt hat, denn Kriege gab es nicht nur zu Davids Zeit, sondern so gut wie immer. Welcher Art Frieden sollen wir denn, genauso wie David, nachjagen? Die Antwort, aus der sich im Nachhinein auch der menschliche Frieden ableitet, gibt uns der Apostel Paulus: „Der Friede Gottes, der größer ist als alle menschliche Vernunft.“ (Philipper 4,7). Dieser Friede, auf Hebräisch „Schalom“ genannt, ist eine Haltung, eine Lebensweise, die sich aus der Ehrfurcht Gott gegenüber entwickelt. Es ist angewandter Glaube, der zeigt, dass ich Gott als Schöpfer und Herrn dieser Welt anerkenne und auch danach handle. Es ist keine passive Haltung, keine kontemplative, sondern eine, die meine ganze Existenz ausmachen soll. Für Christen bedeutet das die Verpflichtung aus der Komfortzone herauszutreten und sich mit allen Konsequenzen für den Frieden Gottes einzusetzen. Auch wenn das zuerst mehr mit Kampf als mit dem menschlichen Frieden zu tun hat. David wusste das und wir sollten es auch begreifen.

Ihr Pfarrer Dr. Martin Neubauer